Beziehungsleben

Bevor Sie mit der Lektüre dieses Themenblatts beginnen, empfiehlt es sich, den Abschnitt Präambel auf der Seite Beziehungs – und Gefühlsleben

Die sozialen Beziehungen, ob es sich um Freundschaft, Liebe oder formellere (schulische oder berufliche) Kontakte handelt, beinhalten eine Reihe von Regeln und Verhaltensweisen für eine ausgeglichene Beziehung und damit alles bestens verläuft. Junge Menschen, die noch voll auf der Suche nach ihrer Identität sind, entwachsen den Kinderschuhen und nehmen einen neuen Platz auf dem gesellschaftlichen Schachbrett ein.

Zweck der Animation 

  • Dem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, über den Begriff der Achtung in den Beziehungen zu anderen nachzudenken.
  • Dem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, über seine Bedürfnisse und Grenzen und deren Bedeutung in einer Beziehung nachzudenken.
  • Dem jungen Menschen die Möglichkeit bieten, sich der Darstellungen bewusst zu werden, die ihn beeinflussen und eine sich der Unterschiedlichkeit der Menschen zu öffnen.

Auftreten des Leiters/der Leiterin

Bevor Sie mit der Animation beginnen, sollten Sie unbedingt Ihre eigenen Vorstellungen zum Thema hinterfragen. Während der Debatte werden die Jugendlichen Ideen (Meinungen, Ansichten, Argumente) austauschen, denen Sie zustimmen oder die Sie ablehnen werden. Und das ist ganz normal. Die einzigartigen Erfahrungen jedes Einzelnen prägen die Art und Weise, wie er bestimmte Themen interpretiert. Daher sind die Begriffe Respekt, Beurteilung und Auftreten eng miteinander verknüpft.

Als Leiter(in) ist es daher wichtig, auf die eigenen Vorstellungen zu achten und sie nicht zu äußern, damit sie die Diskussion mit den Jugendlichen nicht beeinträchtigen. Sie könnten sich verurteilt fühlen, und die Spontaneität der Debatte würde darunter leiden.

Denken Sie daran, dass es wichtig ist, dass junge Menschen sich ohne Tabus oder Angst vor Verurteilung ausdrücken können. Die Haltung des Leiters/der Leiterin muss einladend und respektvoll sein.

Wenn das Thema für Sie selbst heikel ist, sollte die Debatte vielleicht gemeinsam mit einer anderen Person geführt werden, die besser mit diesem Thema umgehen kann.

Theorie

Respekt und Selbstwertschätzung: zwei Schlüssel für ausgeglichene Beziehungen

Der Respekt (Achtung, Wertschätzung) spielt sich auf mehreren Ebenen ab: Selbstachtung und Achtung des Mitmenschen, des Körpers, der Standpunkte, der Wünsche, der persönlichen Entscheidungen und der Unterschiede. Dieser Begriff spielt eine zentrale Rolle beim Austausch und taucht in allen Themenbereichen dieses Tools auf. Selbstachtung ist ein erster Schlüssel für eine ausgeglichene soziale Beziehung. Um sich selbst zu achten, muss man mit sich selbst „zufrieden“ sein, sich selbst wertschätzen. Selbstwertschätzung und Respekt sind eng miteinander verbunden.

Die Selbstwertschätzung ist eine Selbstbeurteilung des eigenen Werts. Sie wird insbesondere durch die Frage beeinflusst, ob man sich selbst achtet oder nicht, ob man in Einklang mit dem steht oder handelt, was für einen selbst wichtig ist (Werteskala). Jeden Tag trifft der junge Menschen Entscheidungen nach dieser Werteskala (Respekt, Freundschaft, Ehrlichkeit, Liebe, Familie, …). Seine Entscheidungen werden von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst, die mit der Umwelt, der Erziehung und der Kultur verbunden sind.

Die Grenzen erkennen

Die Frage der Selbstachtung und der Achtung des anderen führt uns zu einem anderen großen Prinzip aller gesellschaftlichen Beziehungen: die Grenzen (die eigenen und die des anderen), und demnach die Bedürfnisse jedes einzelnen. Die Maxime „Meine Freiheit endet, wo die des anderen beginnt“ steht hier zentral. Wenn der Jugendliche wünscht, dass man seine Grenzen achtet, muss er auch die Grenzen der anderen achten. Dazu gehört auch, dem anderen zuhören und für seine Bedürfnisse offen sein. Die Grenzen der anderen zu achten führt manchmal dazu, dass man nicht erhält, was man will.

Im Jugendalter erhält der Konflikt eine andere Dimension. Die Gefühle verstärken sich und können die Oberhand über die Vernunft gewinnen. Der Jugendliche lernt, sich zu positionieren, seinen Standpunkt geltend zu machen und den der anderen anzunehmen ohne Gewalt anzuwenden. Das läuft über Zuhören, Offenheit für abweichende Standpunkte, Ausdrücken seiner eigenen Vorstellungen. Für den jungen Menschen ist der Kompromiss eine neue Herausforderung. Es geht darum, sich auf eine gemeinsame Basis zu einigen, insbesondere über die Kommunikation. So selbstverständlich das auch klingt: die Umsetzung ist dennoch nicht unbedingt leicht.

Die Gruppe: zwischen Grenzen und Verlangen nach Wertschätzung

Das Umfeld beeinflusst den Jugendlichen sehr stark, vor allem der Freundeskreis. Der ausgesuchte Freundeskreis entspricht den eigenen Werten. Wenn der Jugendliche dort die Möglichkeit hat, seinen Standpunkt unter Achtung seiner Werte zu äußern, wird die Gruppe ihn aufwerten. Dieses von Durchsetzungskraft geprägte Auftreten wirkt wie ein Schneeball, denn es stärkt das Selbstvertrauen des jungen Menschen, macht ihn selbstsicherer. Der Respekt ist also der beste Weg zur Selbstwertschätzung. Auch das Einfühlungsvermögen ist wichtig in der Gruppe: Es geht um die Fähigkeit, die Gefühle und Empfindungen des anderen zu verstehen, damit er sich verstanden fühlt.

Um jedoch dazuzugehören, leugnen manche Jugendliche ihre Werte, nehmen Verhaltensweisen an, hinter denen sie eigentlich nicht stehen und nehmen sich nicht die Freiheit „Nein“ zu sagen. Sie überschreiten ihre Grenzen und missachten ihre Werte oder ihre Bedürfnisse. Ein typisches Beispiel: um der Gruppe zu gefallen oder dazuzugehören, nimmt man ein Verhalten an, das man eigentlich nicht will, nur um gut angesehen zu sein. Nein sagen ist jedoch von größter Wichtigkeit, wenn es um die Selbstachtung und die Achtung anderer Menschen geht. Das gilt für jede soziale Beziehung. Die Stärke der Gruppe spielt hier eine wichtige Rolle, positiv wie negativ. Jeder Jugendliche müsste sich fragen, ob er den richtigen Freundeskreis hat, wo er sich frei ausdrücken kann, ob die Werte der Freunde mit den eigenen Werten übereinstimmen.

Vorstellungen und Aufgeschlossenheit

Jugendliche suchen sich ihre Vorbilder wo sie sie finden. Das kann im Freundeskreis sein, wie wir soeben gesehen haben, in der Familie, über die Erziehung, aber auch über die Bilder, die von den Medien ausgehen (Fernsehen, Werbung, Internet, Chats, Diskussionsforen, Zeitschriften). Wenn man die Vorstellungen des Jugendlichen gemeinsam mit ihm bearbeitet, kann er zu Gedankengängen finden, von denen er nicht unbedingt eine Ahnung hatte.

Man kann eine Meinung vertreten und gleichzeitig akzeptieren, dass sein Gegenüber anderer Meinung ist. An dieser Aufgeschlossenheit kann man arbeiten, indem man die Meinungen gegenüberstellt und indem man sich vor Augen hält, dass unser Urteil von den Vorstellungen abhängt, die wir von den Dingen haben. Sich ein Urteil bilden, ist natürlich und geschieht sogar automatisch. Es ist äußerst schwierig, sich keine Meinung zu einer Person, zu einem Verhalten zu bilden… Homosexualität, kulturelle und ethnische Unterschiede, körperliche Besonderheiten sind Themen, die sich für Debatten über Vorstellungen durchaus eigenen.

Toleranz und Achtung sind eng miteinander verbunden. Ohne Toleranz gibt es auch keinen Respekt. Dann stehen der verbalen, psychischen oder körperlichen Gewalt alle Türen offen. Umgekehrt gilt aber auch: wenn wir zulassen, dass andere Menschen andere Meinungen vertreten, räumen wir ihnen eine Freiheit ein, die Freiheit sich offen zu äußern, zu sein wie sie wirklich sind, in Übereinstimmung mit ihren Werten zu handeln.

 

Animation Frasbee

A compléter 

Hier geht es um die Grenzen, die einer Freundschaft gesetzt sind, und um respektvolles Verhalten anderen gegenüber. Wer ohne Zustimmung Handynachrichten eines Freundes liest, verletzt seine Intimität.

Gewalt kann unterschiedliche Formen annehmen (verbal, körperlich, psychisch), aber sie ist mehr als ein Streit. Von Gewalt ist die Rede, wenn einer die Macht über den anderen ergreift, ihm Angst macht, ihn durch Gesten und Worte angreift. Gewalt beginnt dann, wenn der Respekt aufhört.

Es ist nicht immer leicht, „nein“ zu sagen. Man hat Angst, zu enttäuschen, Angst vom anderen nicht mehr geliebt zu werden und fühlt sich deshalb „gezwungen“, Dinge zu tun, die man eigentlich nicht will(Rauchen, Trinken, Küssen, …), um akzeptiert oder integriert zu sein. Lernen „Nein“ zu sagen, heißt seinen Standpunkt, seine Entscheidung auszudrücken. Sich behaupten, heißt Anerkennung und Achtung seiner Einzigartigkeit zu erlangen.

Dass man urteilt, ist normal. Unser Urteil hängt von unseren Gewohnheiten, unserer Kultur, unserer Erziehung, unseren Freunden ab, kurz: von allem, was wir seit unserer Geburt gelernt haben. Wichtig ist die Art, wie wir unseren Standpunkt darlegen, anderen unsere Meinung sagen, uns verhalten, d.h. respektvoll.

Jeder hat das Recht, sich bei dem Gedanken an die Homosexualität eines Freundes oder einer Freundin wohlzufühlen oder nicht. Die Ankündigung kann destabilisierend und erschreckend wirken. Wichtig ist es, dass wir darüber reden, zuhören, was der andere zu sagen hat, tolerant sind und die Grenzen des einen wie des anderen achten.

Beschimpfungen, Erniedrigungen sind eine Art der Gewaltanwendung, die Menschen verletzen können, selbst wenn dies zu Beginn nicht gewollt ist. Unter Freunden kann man lachen, sich necken, aber man muss dennoch die Tragweite der Worte erkennen. Immer wieder auf die empfindliche Stelle zu drücken, kann ungewollt zu Verletzungen führen.

Dokumente zum Herunterladen

Im Folgenden können Sie die Datei “Bieziehungsleben” herunterladen, die den gesamten theoretischen Inhalt dieser Themenseite enthält, um die Animation vorzubereiten. Sie können auch die Frasbee-Animationsdatei zu diesem Thema herunterladen. Nach dem Ausdrucken müssen Sie nur noch die Debattensätze ausschneiden, die Sie bei der Animation verwenden möchten.

Alle theoretischen und thematischen Dateien sowie die Frasbee-Animationsdateien können auch von der Seite Unterstützung heruntergeladen werden.

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Wenn Sie dieses Thema vertiefen möchten, können Sie den Inhalt und die Moderationssätze gerne mit einem der unten aufgeführten Themen ergänzen. Je nach Ihrem Rahmen und der Ihnen zur Verfügung stehenden Zeit kann die Kombination von sich ergänzenden Themen den Reichtum der Debatten erhöhen und die Beteiligung der Jugendlichen fördern. Es wird jedoch empfohlen, nicht mehr als 10 Debattenphrasen auszuwählen, indem Sie mehrere Themen miteinander verbinden. Wählen Sie diese aus, indem Sie zuvor die Debattenthemen identifizieren, die Sie bei den Jugendlichen fördern möchten.