Liebesbeziehungen

Bevor Sie mit der Lektüre dieses Themenblatts beginnen, empfiehlt es sich, den Abschnitt Präambel auf der Seite Beziehungs – und Gefühlsleben

Das Jugendalter ist ein Lebensabschnitt, in dem die Emotionen leichter verstärkt und die Hormone überschwappen. Junge Menschen sind auf der Suche nach Orientierungspunkte, aber auch nach Identität. Liebesbeziehungen sind soziale Beziehungen wie alle anderen und dennoch etwas Besonders, denn sie sind mit viel mehr Gefühlsregungen verbunden. Liebesbeziehungen sind für Jugendliche sehr wichtig, denn sie lassen neue Gefühlswellen aufkommen, die nach und nach zu ersten intimen Berührungen und schließlich zu sexuellen Erfahrungen führen. Das ist eine ganz wichtige Etappe im Leben eines Menschen. Der junge Mensch muss sich das richtige Verhalten gegenüber seinem Partner aneignen, insbesondere darauf achten, was der/die andere wünscht und wo die Grenzen sind.

Zweck der Animation 

  • Den jungen Menschen anregen, die Grenzen, die der andere setzt, zu achten.
  • Dem jungen Menschen die Bedeutung der Kommunikation in der Beziehung zum anderen bewusst machen.
  • Den jungen Menschen anregen, sich für den Unterschied und den Respekt in Fragen der Sexualität (Wahl, Praktiken, Ausrichtung, Art, Kultur, Religion, …) zu öffnen.

Auftreten des Leiters/der Leiterin

Bevor Sie mit der Animation beginnen, sollten Sie unbedingt Ihre eigenen Vorstellungen zum Thema hinterfragen. Während der Debatte werden die Jugendlichen Ideen (Meinungen, Ansichten, Argumente) austauschen, denen Sie zustimmen oder die Sie ablehnen werden. Und das ist ganz normal. Die einzigartigen Erfahrungen jedes Einzelnen prägen die Art und Weise, wie er bestimmte Themen interpretiert. Daher sind die Begriffe Respekt, Beurteilung und Auftreten eng miteinander verknüpft.

Als Leiter(in) ist es daher wichtig, auf die eigenen Vorstellungen zu achten und sie nicht zu äußern, damit sie die Diskussion mit den Jugendlichen nicht beeinträchtigen. Sie könnten sich verurteilt fühlen, und die Spontaneität der Debatte würde darunter leiden.

Denken Sie daran, dass es wichtig ist, dass junge Menschen sich ohne Tabus oder Angst vor Verurteilung ausdrücken können. Die Haltung des Leiters/der Leiterin muss einladend und respektvoll sein.

Wenn das Thema für Sie selbst heikel ist, sollte die Debatte vielleicht gemeinsam mit einer anderen Person geführt werden, die besser mit diesem Thema umgehen kann.

Theorie

Die Grenzen jedes Menschen

Jugendliche haben meistens die Achtung der Autorität und der gesellschaftlichen Normen verinnerlicht… Entweder halten Sie sich an diese Verhaltensnormen oder sie rebellieren gegen die bestehenden Regeln, obwohl sie diese Normen in vielen Fällen übernommen haben. Der Beginn des Liebes- und Sexuallebens ist jedoch ein ganz persönlicher Sprung, bei dem der junge Mensch entscheiden können muss, ob er ihn wagt oder nicht. Im Idealfall geht er schrittweise vor, lässt sich Zeit zu fühlen und erneut zu fühlen, ob diese oder jene neue Erfahrung ihm gefällt oder nicht… Aber die Grenzen der Sexualität sind besonders schwer zu erkennen und vor allem zu teilen, denn junge Menschen geben sich nicht unbedingt das Recht, wissen nicht unbedingt, wie sie sich gegenüber diesen neuen Dingen verhalten sollen. Schlussendlich ist es wichtig, die Vorstellung zu übermitteln, dass jeder seine Grenzen hat und diese sich an einer bestimmten Stelle befinden, je nach persönlicher Geschichte, Alter, Überzeugungen, Kultur, … Die Förderung der Aufgeschlossenheit bei jungen Menschen spielt eine wichtige Rolle. Von daher besteht die gleiche Altersgruppe auch aus Jugendlichen mit ganz unterschiedlichen Erfahrungen und Wünschen in Sachen Liebe. Während einige bereits Erfahrungen sammeln konnten, stehen andere noch ganz am Anfang ihres Weges.

Junge Menschen müssen verstehen lernen, dass es in der Sexualität legitime Grenzen gibt, die jeder selbst bestimmt. Wo der Partner seine Grenzen zieht, kann der andere Partner nicht erraten. Umgekehrt gilt das auch. Der andere kann nicht erahnen, was nicht zum Ausdruck gebracht wird. In diesem Bereich ist die Kommunikation von größter Bedeutung.

Kommunikation

Liebesbeziehungen sind für junge Menschen etwas Neues. Unzählige Gedanken gehen ihnen durch den Kopf. Die Emotionen kochen hoch. Mit dem Partner zu reden ist die beste Art, Antworten zu erhalten und Spannungen abzubauen. Dem Jugendlichen soll also klargemacht werden, dass seine Ängste oder Fragen nicht dumm oder seltsam sind und es nicht möglich ist, die Fragen zu erraten, die der andere sich stellt. Die Lösung liegt also in der Kommunikation, im Vertrauen gegenüber dem anderen und im Selbstvertrauen des jungen Menschen, mit einer Wechselwirkung, die in eine positive Dynamik münden kann: ich rede mit meinem Partner, ich höre ihm zu, ich fühle mich verstanden, ich fühle mich in meinem Selbstwert gestärkt und mein Vertrauen in den anderen wächst.

Nein sagen aus Selbstachtung

Die Selbstachtung und die Achtung des Mitmenschen ist einer der wichtigsten Grundsätze jeder zwischenmenschlichen Beziehung. Nein zu sagen ist vor diesem Hintergrund eine wesentliche Voraussetzung für eine bereichernde und ausgeglichene Beziehung. Allerdings stellen sich zwei Probleme: Zum einen könnte der Jugendliche, aus Angst seinen Partner zu verlieren oder ihm wehzutun, in Dinge einwilligen, die ihm nicht gefallen. Daran lässt sich erkennen, wie wichtig der Gedanke ist, dass Nein sagen eine Frage der Selbstachtung und der Selbstbehauptung ist. Zum anderen löst ein Nein bei manchen Menschen ein Gefühl der Ablehnung der eigenen Person aus. Auf sexuellem Gebiet ist das eindeutig der Fall. Ein Jugendlicher neigt leicht dazu, eine Ablehnung falsch zu interpretieren, zum Beispiel in dem Sinne: „Wenn du nicht mit mir schlafen willst, dann liebst du mich auch nicht“. Eine Stärkung des kritischen Verstands und des Selbstwertgefühls hilft dem jungen Menschen, das Nein, das er erhalten hat, anders zur beurteilen und unser Beispiel so zu verstehen, dass das Nein in der Liebe nicht bedeutet, dass der andere ihn als Mensch ablehnt. Dieses Nein zu akzeptieren bedeutet auch, die Bedürfnisse, Wünsche und Grenzen in der Partnerschaft zu achten.

Sexuelle Ausrichtung – Homosexualität: ein Unterschied wie jeder andere auch

Bei jungen Menschen ist die sexuelle Ausrichtung noch voll in der Orientierungsphase. Manchmal ist sie noch verschwommen, denn junge Menschen suchen noch ganz tief im Innersten nach ihrer Identität, werden aber bereits mit Sexualhormonen überflutet. Homosexualität kann auch vorübergehend sein. In diesem Rahmen muss betont werden, dass keiner sich die Homosexualität aussucht. Die freie Wahl besteht nur darin, seine Homosexualität auszuleben oder nicht. Die Frage ist, ob man sich outet, dazu steht oder sie versteckt, zum Beispiel aus Angst vor dem Druck der Gesellschaft und der Familie. Die Vorstellungen von Jugendlichen verändern und sie für den Unterschied zu öffnen ist von zentraler Bedeutung für das Selbstwertgefühl und den kritischen Verstand.

Toleranz und Offenheit

Offenheit bedeutet, den Unterschied zu akzeptieren, der zwischen sich selbst und dem anderen besteht oder zwischen seinen eigenen Vorstellungen und den Vorstellungen des anderen. Es geht nicht darum, Übereinstimmung zu erzielen, sondern darum, die Unterschiede zu erkennen, um zu verstehen, dass jeder Standpunkt Gültigkeit hat. Wenn wir die Aufgeschlossenheit bei Jugendlichen fördern, können wir ihnen die Furcht vor dem Anderssein nehmen. Das gilt für alle Menschen, die „anders“ sind: behinderte, kranke Menschen, aber auch unterschiedliche philosophische oder religiöse Anschauungen, körperliche, ethnische Unterschiede, …

Animation Frasbee

A compléter 

Es ist nicht immer leicht, in einer Paarbeziehung „nein“ zu sagen. Da ist die Angst, zu enttäuschen, die Angst, dass der andere einen nicht mehr liebt oder weniger liebt. Dann fühlt man sich manchmal „gezwungen“, Dinge zu tun, die man nicht tun möchte, nur um nicht als Versager dazustehen. Wer aber lernt, „nein“ zu sagen, zeigt, dass er einen anderen Standpunkt einnehmen kann, dass er weiß, was er will und dass er respektiert werden möchte.

Gewalt kann unterschiedliche Formen annehmen (verbal, körperlich, psychisch), aber sie ist mehr als ein Streit. Von Gewalt ist die Rede, wenn einer die Macht über den anderenergreift, ihm Angst macht, ihn durch Gesten und Worte angreift. Gewalt beginnt dann, wenn der Respekt aufhört.

Der Kontakt mit bestimmten Menschen kann beim Partner Unbehagen auslösen. Der andere ist als Partner weniger ansprechbar und man ist besorgt, dass dieser Kontakt der Paarbeziehung schadet. Wichtig ist, dass darüber gesprochen wird, über die Sorgen, alles was den einen oder anderen stört, und dann gemeinsam beschlossen wird, was gut für die gegenseitige Achtung ist.

Liebe ist ein Gefühl und Respekt ist eine Verhaltensweise. Sicher kann es Liebe geben und kein oder nur wenig Respekt, und umgekehrt Respekt ohne Liebe. Wichtig ist, dass jeder seine Grenzen hat. Jeder muss aber diese Grenzen auch ausdrücken können. Jeder muss die Grenzen des anderen achten. Die Freiheit des einen endet da, wo die des anderen beginnt.

Jeder Mensch ist anders. Auch in einer Beziehung können Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche Standpunkte auftreten, bei denen keine Einigkeit erzielt wird. Manchmal lassen Emotionen dann einen handfesten Streit ausbrechen. Wenn der Streit gewaltfrei geführt wird, kann jeder seinen Standpunkt darlegen und sein Unwohlsein zum Ausdruck bringen, statt zu flüchten oder sich einzuigeln.

Der Körper ist persönlich und privat. Kein Mensch hat das Recht, einem anderen körperliche Handlungen oder Kontakte aufzuzwingen, die dieser nicht möchte. Die Grenzen der körperlichen Intimität sind für jeden anders. Über das sinnliche oder sexuelle Vergnügen haben die Partner gemeinsam und in gegenseitiger Achtung zu entscheiden.
–> Dieser Satz kommt besser bei Jugendlichen der beiden letzten Abiturjahre an

Jeder hütet in seinem tiefsten Inneren einige ganz persönliche Dinge. Wenn das einen der beiden Partner stört, sollte er dies ausdrücken können, und beide sollten über die Grenzen zu diesem Innersten reden. Das ist für beide sehr wichtig. Anders ausgedrückt, es müssen Absprachen getroffen werden, bei denen das Schlüsselwort Vertrauen heißt.

Dokumente zum Herunterladen

Im Folgenden können Sie die Datei “Liebesbeziehungen” herunterladen, die den gesamten theoretischen Inhalt dieser Themenseite enthält, um die Animation vorzubereiten. Sie können auch die Frasbee-Animationsdatei zu diesem Thema herunterladen. Nach dem Ausdrucken müssen Sie nur noch die Debattensätze ausschneiden, die Sie bei der Animation verwenden möchten.

Alle theoretischen und thematischen Dateien sowie die Frasbee-Animationsdateien können auch von der Seite Unterstützung heruntergeladen werden.

Verwandte Themenbereiche

Auf der Karte „BGS” sind 5 getrennte, aber auch stark implizit zusammenhängende Themenbereiche getrennt zusammengefasst, die Ihnen bei der Vorbereitung Ihrer Animationen auf zielgerichtete oder allgemeinere Weise helfen sollen. Diese bilden jedoch keine „EBGS“-Animation. Wenn Sie eine spezielle „EBGS“-Animation einrichten möchten, erhalten Sie entsprechende nützliche Informationen bei einem Psycho-Medizinisch-Sozialen Zentrum (PMS), einer Dienststelle zur Förderung der Gesundheit in der Schule (PSE) oder auch bei einem Zentrum für Familienplanung. In der DG bei KALEIDO.

Je nach Zielen Ihrer Animation besteht außerdem die Möglichkeit, verschiedene Themenbereiche miteinander zu kombinieren, wobei es zu beachten gilt, maximal 10 Sätze für die Frasbee-Animation auszuwählen.