Et toi, t’en penses quoi ?

Theorie

Vorbemerkungen:

Das Verhältnis zu seinem Körper ist eine sehr kulturelle Frage. Manche Kulturen erlauben oder fördern sie mehr als andere. Aus diesem Grund wäre es vorteilhaft, dieses Thema (Körper und Sexualität) mit dem vierten Thema „Einflüsse und Sexualität“ zu verknüpfen.

Das Gesetz

  •  Ab 16 ist es Minderjährigen in Belgien gesetzlich erlaubt, (hetero- oder homo-)sexuelle Kontakte zu haben, auch wenn die Volljährigkeit im zivilrechtlichen Sinn erst ab 18 besteht.
  •  Zwischen 16 und 18 Jahren besteht also die sexuelle Mündigkeit, die den Geschlechtsverkehr erlaubt, während der Jugendliche zivilrechtlich noch minderjährig ist und der elterlichen Gewalt untersteht. Das bedeutet insbesondere, dass die Eltern die Kontrolle über die Beziehungen ihrer Kinder ausüben dürfen.
  •  Unter 16 Jahren sind geschlechtliche Beziehungen untersagt.
  •  Unzüchtige Handlung und Vergewaltigung - Deutung des Gesetzes über die mit freier Zustimmung eingegangen sexuellen Beziehungen mit Minderjährigen zwischen 14 und 16 Jahren durch den Verfassungsgerichtshof: Wenn der Minderjährige im Alter von 14 Jahren dem Geschlechtsverkehr mit Penetration „frei und bewusst“ zustimmt, besteht keine Vergewaltigung. Je nach Umständen bleibt diese Handlung aber strafbar. In diesem Fall gelten die Bestimmungen über die unzüchtigen Handlungen für die strafrechtliche Verfolgung.

Der große Umbruch

Das Jugendalter ist eine Zeit der großen Umwälzungen. Grund hierfür sind die Hormone, die freigesetzt werden. Diese bewirken auf der einen Seite körperliche Veränderungen, die in der Pubertät einsetzen: Monatsblutungen und Entwicklung der Brust bei Mädchen und Muskeln sowie Spermaproduktion bei den Jungen, Behaarung bei beiden, aber auch Akne und stärkeres Schwitzen mit entsprechendem Geruch. Diese Veränderungen sind für den jungen Menschen verwirrend, denn er hat das Gefühl, ein anderer zu werden. Noch kein Erwachsener, aber auch kein Kind mehr… Bei manchen läuft das problemlos ab, andere kommen weniger gut damit zurecht. Diese körperlichen Veränderungen sind nicht immer leicht zu ertragen. Daneben treten psychische Veränderungen auf, unter anderem sexuelles Verlangen und sexuelle Gedanken. Ihre Sicht auf die Welt verändert sich im Ganzen. Das ist die Zeit der ersten Schmetterlinge im Bauch, der erotischen Träume und der unkontrollierten Triebe. In dieser Zeit verlieren auch viele Jugendliche die Selbstbeherrschung. Sie können von diesen Gedanken und diesem Verlangen überrascht sein, manche finden sie sogar verwerflich und halten sie für abnorm. Der junge Mensch muss diesen neuen Körper erst zähmen. Um die Sache noch etwas komplizierter zu machen: jeder junge Mensch entwickelt sich unterschiedlich angesichts dieser Veränderungen. Jungen und Mädchen erleben diese Zeit auch ganz unterschiedlich. Mädchen zeigen mehr Reife als Jungen und mehr Interesse für die Beziehungs- und Gefühlsebene, während Jungen viel stärker von der Sexualität fasziniert sind. In derselben Altersgruppe zeigen sich also sehr unterschiedliche Entwicklungsstadien.

Körperbild und Anziehungskraft

Unbewusst entsteht bei allen Jugendlichen ein „Anziehungskodex“, der von den Erlebnissen der Kindheit, aber auch von den Geschmacksnormen abhängt, die von den Medien verbreitet werden. Es handelt sich um physische und verhaltensbestimmte Konstanten, die als anziehend gelten, die aber einem jeden eigen sind. Teenager fangen an, sich gegenseitig zu beobachten und mit ihrem „Verführungsmuster“ abzugleichen. Andererseits wird der junge Mensch auch mit seinem eigenen Körper konfrontiert. Dieser kann dem Bild entsprechen, das er sich von „Schönheit“ macht oder auch nicht. Der Jugendliche muss lernen, mit seinem Aussehen umzugehen, während er gleichzeitig körperliche Beziehungen zu anderen aufbaut. Komplexe können auftauchen. Manche Teenager ziehen sich zurück, verändern ihre Essgewohnheiten oder ihren Kleidungsstil. Die Selbstwertschätzung spielt hier eine zentrale Rolle.

Die Selbstbefriedigung

Dieses Thema ist ein großes Tabu, obwohl es viele Jugendliche fasziniert. Im Jugendalter sind Fantasien und Verlangen allgegenwärtig. Wichtig ist, dass die Heranwachsenden erfahren, dass die Entdeckung ihres Körpers und das Vergnügen der Masturbation eine normale Etappe auf dem Weg zur Entdeckung der Sexualität ist. Das ist weder schmutzig noch verdorben, sondern natürlich (nicht zwingend notwendig) bei Mädchen wie bei Jungen. Je nach Hormonpegel, Erziehung, Rückzugsmöglichkeiten des Jugendlichen, wird sie öfters oder seltener praktiziert.

Ein Blick auf die Pornografie

 Aus Studien geht hervor, dass 84% der Minderjährigen bereits mit Pornografie in Kontakt gekommen sind*. Jungen eher als Mädchen. Von der Neugier, dem sexuellen Verlangen und seinen Fantasien getrieben, aber auch auf der Suche nach Befriedigung, kann der junge Mensch versucht sein, nach solchen Bildern zu suchen. Pornografische Darstellungen erzeugen aber falsche Vorstellungen bei Teenagern. Aus Gründen der Ästhetik und der Attraktivität eines Szenarios sind die von diesen Darstellungen ausgehenden Botschaften irreführend, ja sogar wahrheitsverdrehend. Die dort gezeigten Körper sind perfekt und die Sexualpraktiken verzerren die Realität. Die sexuelle Potenz wird übertrieben dargestellt, mit leistungsfähigen und verführerischen Männern. Die Frau spielt häufig die Rolle „des Vergnügungsobjekts“ für den Mann, und ihre Lust wird spontan geweckt. Die Pornografie wird zum Problem, wenn sie die einzige Art ist, etwas über Sexualität zu erfahren. Pornografische Darstellungen können schnell Ängste, Fragen und Komplexe auslösen, unter anderem weil es an Aufklärung über den Körper und die Entwicklung der Sexualität fehlt. Bis zum heutigen Tag hat noch keine Studie belegt, dass Pornografie zu einem Risikoverhalten, ungewollten Schwangerschaften oder vorzeitigem Sex geführt hat. Allerdings beeinflusst sie eindeutig das Sexualverhalten der Jugendlichen (neue Praktiken). Unter dem Thema „Einflüsse und Sexualität“ gehen wir ausführlicher auf diese Fragen ein.

Quelle: Revue Éducation Santé Nr. 233 - April 2008 - „Les jeunes et le porno“, HERBIGNIAUX F.

Körperliche Liebe: Entdeckung und Risikoverhalten

Früher oder später werden die ersten Schmetterlinge auch zu den ersten Liebesbeziehungen und körperlichen Kontakten führen. Den Körper des anderen entdecken und in seinem eigenen Körper ganz neue Empfindungen/Gefühle wahrnehmen, ist ein großer Schritt, den jeder junge Mensch nach seinem eigenen Tempo gehen sollte. Informationshalber sei gesagt, dass das Durchschnittsalter der ersten sexuellen Beziehungen 16,9 Jahre ist, und daran hat sich in den letzten 30 Jahren wenig geändert, auch wenn es letztlich kein bestimmtes Alter gibt, in dem man „bereit ist“, und jeder auf sich selbst und sein Verlangen hören sollte. Was sich jedoch geändert hat, ist der häufigere Partnerwechsel. Die Frage der Verhütung ist und bleibt also immer noch von wesentlicher Bedeutung. Es sei daran erinnert, dass das Kondom die einzige Methode ist, die sowohl Schwangerschaften als auch sexuell übertragbare Krankheiten verhindert. Risikoverhalten ist in der Jugendzeit Teil der Identitätsfindung. Es ist also kein Zeitverlust, wenn wir hier die Grundkenntnisse der der Verhütung in Erinnerung rufen! Verhütung und Präservativ sind tatsächlich Themen, über die jedes neue Paar reden sollte. Auch wenn Sex eine Frage des Vertrauens ist, sollte man junge Menschen nicht in dem Irrglauben lassen, dass keine Gefahr besteht, wenn man seinen Partner „gut kennt“. 

Körperliche Leistungsfähigkeit

Bei den ersten sexuellen Kontakten, ob es zur Penetration kommt oder nicht, fehlen meistens Erfahrung und Leistungsfähigkeit. Die Jugendlichen sind manchmal von ihren falschen Vorstellungen geblendet und setzen sich unter Erfolgsdruck. Andererseits warten sie auf den magischen Moment, der sich aber nicht immer einstellt. Sie müssen sich vor allem Zeit nehmen und nach und nach lernen, wie der Körper reagiert - der eigene wie der des anderen. Leider rücken die Medien sehr stark die „Überpotenten“ in den Vordergrund, Darsteller, die alles können, unheimlich gute Liebhaber sind und schnell zum Höhepunkt kommen. Das ist nicht die Realität, zumindest nicht bei den ersten sexuellen Erfahrungen. Die Grenzen des Partners und die eigenen Grenzen, die Achtung des anderen wie die Selbstachtung sind zwei zentrale Begriffe. Sie werden ausführlich unter dem Thema „Romantische Beziehungen“ behandelt.

Die Lust

Wir sollten nicht vergessen, dass sexuelle Lust sich nicht auf das Durchleben verschiedener Etappen beschränkt. Zärtlichkeit, Eindringen, Orgasmus… das ist nicht die einzige Art, das sexuelle Vergnügen zu empfinden und zu teilen. Sich lieben heißt Sex aber auch Sinnlichkeit, mit oder ohne Penetration, ob zum Höhepunkt der Orgasmus kommt oder nicht, für Mädchen wie für Jungen! Den jungen Menschen muss bewusst gemacht werden, dass das sexuelle Vergnügen ohne Orgasmus nicht unbefriedigend ist. Der Orgasmus ist vielmehr „das Sahnehäubchen“. Die Lust kann mit ganz vielen anderen Mitteln empfunden werden, zum Glück. Die Erfahrung und die Kenntnis seines Körpers sowie des Körpers seines Partners helfen dabei, diese Lust zu entdecken.

Sexting, Selfie und Zurschaustellung des Körpers

Möglichkeiten, sich auszudrücken, auszutauschen, auch wenn es um Sex geht. Sexting ist der der private Austausch (von Texten und Fotos, in denen es ausdrücklich um sexuelle Inhalte geht, das kann auch per SMS geschehen (Textnachrichten über sexuelle Themen) und Nackt- oder Halbnackt-Selfies, die über Smartphone oder PC versandt werden, mit denen der Teenager mehrere Ziele verfolgt. Dem Versender selbst geht es darum, seine Verführungskünste zu testen, die Reaktion des anderen zu erfassen und zu verinnerlichen, seine sexuellen Triebe zu kanalisieren, sich diesen vergeschlechtlichten Körper anzueignen. Der Empfänger soll dazu gebracht werden, Kontakt aufzunehmen, bei ihm soll die Lust geweckt werden, es soll ein intimeres Verhältnis entstehen, die Monotonie soll gebrochen werden… Diese Praktiken sind manchmal weit von der Welt der Erwachsenen entfernt, gehören jedoch ganz und gar zum Leben des Teenagers, der auf Wunsch und bei Bedarf die Möglichkeit haben müsste, hierüber mit einem Erwachsenen zu reden, der „auf dem Laufenden“ ist. Es muss nochmals betont werden, wie gefährlich der Austausch von Nacktbildern ist, auch wenn es sich auf den ersten Blick um ein „Vertrauensverhältnis“ handelt. Gefahr besteht ab dem Augenblick, wo die Bilder auf Geräten auftauchen, auf die der Betreffende keinen Zugriff hat. Diese Problematik passt sehr gut zum Thema „Soziale Netzwerke“.

Die Jungfräulichkeit bei Mädchen

Nach einer einfachen Definition handelt es sich um eine Person um die noch niemals „sexuelle Beziehungen“ hatte. Erste Diskussionen treten aber bereits bei dem Begriff „sexuelle Beziehungen“ auf. Biologisch ist Jungfräulichkeit das Vorhandensein des Hymens. Das Hymen kann aber beim Sport beispielsweise reißen. Andererseits gibt es in seltenen Fällen Frauen, die bei der Entbindung immer noch ihr Hymen besitzen (das in diesen seltenen Fällen äußerst elastisch ist)! Junge Menschen sollten unbedingt erfahren, dass es mehrere Vorstellungen und Definitionen vom Begriff der Jungfräulichkeit gibt. Bei dem Austausch sollte es vor allem um den Sinn und die Bedeutung gehen, die jeder Einzelne diesem Zustand beimisst.

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