Et toi, t’en penses quoi ?

Theorie

Die sozialen Beziehungen, ob es sich um Freundschaft, Liebe, oder formellere Kontakte (in Schule und Beruf) handelt, setzen eine Reihe von Regeln und Verhaltensweisen voraus, damit sie ausgeglichen sind und alles bestens abläuft. Jugendliche, die voll mit ihrer Identitätsbildung beschäftigt sind, entwachsen der Kindheit und nehmen einen neuen Platz auf dem gesellschaftlichen Schachbrett ein. Sie werden um ihre Meinung gebeten und das brauchen sie auch. Sie knüpfen zahlreiche Beziehungen unter neuen Formen. Die „Gruppe“ wird auch an Bedeutung zunehmen, als echte Bühne der sozialen Beziehungen und des Ausdrucks für junge Menschen unter sich. 

Respekt, Kommunikation, Grenzen, Bedürfnisse und Werte, Vorstellungen, Aufgeschlossenheit und Toleranz sind alles Themen, die mit Jugendlichen angepackt werden können.

Respekt und Selbstwertschätzung: 2 Schlüssel für ausgeglichene Beziehungen

Die Frage des Respekts ist vielschichtig: Selbstachtung, Achtung des anderen, Achtung seines Körpers, Achtung der Meinung anderer, der Wünsche, der persönlichen Vorlieben, Achtung der Unterschiede. Dieser Begriff spielt im Austausch mit anderen eine zentrale Rolle und zieht sich im Übrigen durch alle Themenbereiche hindurch, die in dieser Diskussionshilfe behandelt werden. Selbstachtung ist ein erster Schlüsse für ausgeglichene soziale Beziehungen. Um sich selbst achten zu können, muss man mit sich selbst „zufrieden“ sein: Hier geht es um Selbstwertschätzung. Respekt und Selbstwertschätzung sind eng miteinander verbunden. 

Die Selbstwertschätzung  ist die Beurteilung des Wertes, den man seiner eigenen Person zumisst. Diese Einschätzung hängt insbesondere davon ab, ob man sich selbst achtet oder nicht, ob man im Einklang mit dem, was einem wichtig ist, handelt oder ist (Werteskala). Junge Menschen treffen Tag für Tag Entscheidungen nach dieser Werteskala (Respekt, Freundschaft, Ehrlichkeit, Liebe, Familie, …). Diese Entscheidungen werden durch eine ganze Reihe von Faktoren beeinflusst, die mit unserem Umfeld, unserer Erziehung, unserer Kultur, … zu tun haben. 

Die Grenzen erkennen

Die Frage der Selbstachtung und der Achtung der anderen führt uns zu einem anderen wichtigen Grundsatz aller sozialen Beziehungen: Grenzen (die eigenen und die der anderen) und somit Achtung der individuellen Bedürfnisse. Die Redewendung „Die Freiheit eines Menschen endet dort, wo die eines anderen beginnt“ ist ein zentraler Begriff. Wenn ein junger Mensch sich wünscht, dass andere bestimmte Grenzen nicht überschreiten, muss er auch die Grenzen der anderen respektieren, ganz gleich wie das gegenseitige Verhältnis ist. Voraussetzung hierfür ist es, für den anderen und seine Bedürfnisse offen sein. Die Achtung der Grenzen des anderen bedeutet aber auch manchmal, dass man nicht alles erhält, was man sich wünscht.

Im Jugendalter erhält der Konflikt eine ganz andere Dimension. Die Emotionen verstärken sich und können die Oberhand über die Vernunft gewinnen. Der junge Mensch lernt, sich zu behaupten, seinen Standpunkt gewaltfrei durchzusetzen und den anderer zu akzeptieren. Das geht über das Zuhören, die Offenheit für die Unterschiedlichkeit der Meinungen, die Fähigkeit, seine eigenen Ideen zum Ausdruck zu bringen. Für Jugendliche ist der Kompromiss eine neue Herausforderung. Er muss eine Ebene finden, auf der Verständigung möglich ist, insbesondere über eine gute Kommunikation. Auch wenn das selbstverständlich klingt, lässt es sich dennoch nicht unbedingt einfach umsetzen. 

Die Gruppe: zwischen Grenzen und dem Bedürfnis, anerkannt zu werden

Bei Jugendlichen spielt der Einfluss des Umfeldes eine wichtige Rolle, vor allem der Einfluss des Freundeskreises. Wenn er sich einen Freundeskreis aussucht, dessen Werte den seinen entsprechen, wenn der dort die Möglichkeit hat, seinen Standpunkt darzulegen ohne seine Werte zu verleugnen, verbessert sich dadurch seine Wertschätzung. Dieses als „selbstbewusstes Auftreten“ bezeichnete Verhalten löste einen Schneeballeffekt aus, denn es stärkt das Selbstvertrauen des Betroffenen, macht ihn selbstsicherer. Der Respekt ist also der beste Weg zur Selbstwertschätzung. Auch das Einfühlungsvermögen spielt eine wichtige Rolle in der Gruppe: es geht darum, die Gefühle und Empfindungen des anderen zu begreifen, damit dieser sich verstanden fühlt. 

Der Gruppenzwang veranlasst manchmal Jugendliche, ihre Werte zu vernachlässigen, Verhaltensweisen zu übernehmen, die sie nicht gutheißen, und sich auf diese Weise ihrer Freiheit „nein“ zu sagen berauben. Sie überschreiten auf diese Weise ihre eigenen Grenzen, missachten ihre Werte oder leugnen ihre Bedürfnisse. Ein typisches Beispiel: um der Gruppe zu gefallen oder dazuzugehören, akzeptiert/übernimmt ein Gruppenmitglied ein bestimmtes Verhalten, obwohl er das eigentlich nicht möchte, nur um von den anderen gut angesehen zu werden. Das gilt für alle sozialen Beziehungen. Der Gruppenzwang spielt hier eine wichtige Rolle, im Positiven wie im Negativen. Jeder junge Mensch sollte sich die Frage stellen, ob sein Freundeskreis zu ihm passt, ob er sich dort frei äußern kann, ob die Werte der Gruppe auch seine eigenen sind. 

Vorstellungen und Öffnung

Jugendliche suchen sich ihre Vorbilder, dort wo sie sie gerade finden. Das kann in der Gruppe sein, wie wir hier oben bereits andeuten, in der Familie, in ihrer Erziehung, aber auch in den Vorstellungen, die über die Medien verbreitet werden (TV, Werbung, Internet, Chats und Foren, Magazinen, …). Mit Jugendlichen an deren Vorstellungen arbeiten, erlaubt es diesen, eigene geistige Konstrukte zu entdecken, derer sie sich nicht unbedingt bewusst waren. 

Man kann eine Meinung besitzen und diese zum Ausdruck bringen und dabei gleichzeitig akzeptieren, dass sein Gegenüber anderer Meinung ist. An dieser geistigen Öffnung lässt sich durch eine Gegenüberstellung der Meinungen arbeiten, wobei natürlich immer klar bleiben muss, dass die Urteile, die wir fällen, unserer Vorstellung entsprechen. Wir urteilen ganz natürlich, ja sogar automatisch. Es ist sehr schwer, keine Meinung über einen Menschen, sein Verhalten, … zu haben. Homosexualität, kulturelle oder ethnische Unterschiede, körperliche Besonderheiten sind geeignete Themen für eine Debatte über die Vorstellungen. 

Toleranz und Respekt sind eng miteinander verbunden. Ohne Toleranz gibt es keinen Respekt und es öffnet sich die Tür zur Gewalt, ob verbal, psychisch oder physisch. Wenn wir aber umgekehrt zulassen, dass andere Menschen anderer Meinung sind, geben wir Ihnen einen Freiraum: die Freiheit, sich offen auszudrücken, die Freiheit, so zu sein, wie sie wirklich sind, die Freiheit, nach ihren eigenen Wertvorstellungen zu handeln. 

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