Et toi, t’en penses quoi ?

Emotionstheorie

Das Wort Emotion kommt vom Lateinischen „emovere“ und heißt „herausbewegen“. Die Emotion oder Gefühlsbewegung ist also eine Energie, die sich frei und natürlich nach außen hin bewegt.

Gefühlsbewegungen spielen eine sehr wichtige Rolle in unserem Alltag. Jeden Tag, zu jeder Zeit stehen wir mit unseren Emotionen und denen anderer Menschen in Verbindung. Sie schwanken von einer Sekunde auf die andere und können uns das Gefühl vermitteln, dass wir in einem Augenblick glücklich und im nächsten unglücklich sind. Auch wenn die jüngsten Studien unterschiedlichen und zuweilen widersprüchlichen Theorien nachgehen, sind die Wissenschaftler sich dennoch in einem Punkt einig: Eine Gefühlsbewegung hat fünf wesentliche Merkmale:

  1.  Eine automatische, zeitnahe, unmittelbare Reaktion auf die Wahrnehmung eines äußeren Vorgangs („ich muss jetzt vor einen Prüfungsausschuss treten“) oder eines inneren Vorgangs („ich schaff das nicht, ich bin immer wie gelähmt, wenn ich vor einem Ausschuss reden muss“).
  2.  Eine körperliche Reaktion: das Herz schlägt schneller, die Atmung beschleunigt sich, der Blutdruck und die Körpertemperatur steigen an, die Muskeln verkrampfen sich, der Magen- und Darmfluss wird verlangsamt oder, genau umgekehrt, beschleunigt, es kann zu einem Tränenausbruch kommen…
  3.  Eine Reaktion des Gesichts: Stirnrunzeln, Erröten …
  4.  Ein Gefühl: „Wenn ich vor einen Prüfungsausschuss trete, habe ich weiche Knie, fühle ich mich leer“.
  5.  Eine Motivation, die den Körper auf Handeln einstellt (Energie).

Ein Gefühlsausbruch ist ein gut eingefahrener und superschneller Mechanismus (weniger als eine hundert millionstel Sekunde), der von einem Auslöser in Gang gesetzt wird.

Ablauf

Ereignis è Wahrnehmung è Emotion è Reaktion

Ereignis: das Ereignis kann innen wie außen liegen (Schmerz zum Beispiel); es kann aber auch das Auftreten eines Gedankens sein.

Wahrnehmung: wir schätzen ab, ob der Vorgang angenehm oder unangenehm ist, ob er unseren Bedürfnissen, unseren Normen entspricht, ob wir die Zügel in der Hand haben oder nicht. Unser Gehirn sortiert die Informationen nach unseren eigenen „Filtern“. Diese Filter bestehen aus unseren Überzeugungen, Werten, Bedürfnissen, kulturellen Bezugspunkten, Erziehungsgrundlagen.

Emotion: es handelt sich um das was wir fühlen, was in unserem Körper ausgelöst wird.

Reaktion: die Tendenz, zu reagieren und die Veränderungen, die die Emotion im Körper auslöst (Schwitzen, Herzrasen, …), aufkommende Gedanken („was denkt der jetzt von mir; ich kann nicht mithalten; das ist aber angenehm, …) und ausgelöstes Verhalten (Gesichtsausdruck, Flucht, Gesten, …).

Die auftretenden Reaktionen werden manchmal als „Reflexe“ empfunden, die uns oder unser Umfeld überraschen. Zum Beispiel die Flucht bei Angst, die Selbstverschließung bei Trauer, die Lust des Zuschlagens bei Wut, das Aufschreien bei Freude, Angst, Ekel, … Diese Reaktionen, die wie Reflexe erscheinen, laufen nicht über die Entscheidungszentrale in unserem Gehirn, sondern gehen eher vom limbischen System aus, das auch als „Gefühlshirn“ bezeichnet wird.

Wir unterscheiden zwischen sechs grundlegenden Emotionen: Furcht, Trauer, Glück, Ekel, Wut und Überraschung. Aus diesen grundlegenden Gefühlsausdrücken lassen sich andere komplexere Emotionen ableiten: Liebe, Eifersucht, Enttäuschung, Schuld, Scham, Sorge, … Die sechs grundlegenden Gefühle rufen auch bei allen Menschen typische Gesichtsausdrücke hervor: Freude zeigt sich durch Lächeln und Zusammenkneifen der Augen, Trauer durch Tränen und herabfallende Stirn, Angst durch eine Aufreißen der Augen, Wut durch eine Stirnfurche, Verdrehung des Mundes und Zusammenkneifen der Augen, Überraschung durch Öffnung des Mundes zum „O“ und Hochziehen der Augenbrauen.

Gefühl und Fühlen (Empfinden) - zwei Dinge, die man nicht verwechseln darf

Was wir fühlen (empfinden) sind Signale, die von den Sinnesorganen ausgehen (Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen, Sehen). Sie informieren uns über den Stand der Befriedigung unserer Bedürfnisse. Dieses Empfinden ist persönlich und schwankt von einem Menschen zum anderen, je nach Lage: „Der Anblick eines Hundes macht mir Angst, dir nicht“. Das Empfinden wird davon beeinflusst, wie die Person eine Erfahrung bewertet (Subjektivität): angenehm, unangenehm, neutral?

Es folgen einige Ausdrücke, die die unterschiedlichen „Empfindungen“ beschreiben, die mit den Grundgefühlen einhergehen:

Emotion

Empfinden

Freude

Zuneigung, Erfüllung, Motivation, Entspannung, Zufriedenheit, Begeisterung, Lebendigkeit, Gelassenheit, Optimismus, Spaß, …

Trauer

Niedergeschlagenheit, Entmutigung, Verzweiflung, Antriebsverlust, Traurigkeit, Wehmut, Enttäuschung, Demoralisierung, …

Angst

Niedergeschlagenheit, Ängstlichkeit, Entsetzen, Unsicherheit, Schrecken, Abgeschlagenheit, Besorgnis, …

Wut

Gereiztheit, Aggressivität, Ärger, Verärgerung, Nervosität, Zorn, Unzufriedenheit, Gewalttätigkeit, Reizung, Erbitterung, Rage, …

Ekel

Widerwille, Abneigung, Belästigung, Enttäuschung, Abstoßung, Abscheu, Ablehnung, Aufgebrachtheit, …

Überraschung

Ahnungslosigkeit, Lähmung, Verwunderung, Erstaunen, Rührung, Verblüffung, Verlegenheit, Befremden, …

Sinn der Emotionen

Es gibt keine guten oder schlechten Gefühle, die wir fördern oder meiden sollten. Alle Emotionen können an sich als zweckdienlich betrachtet werden. Die Frage der Emotionen spielt eine herausragende Rolle in den Beziehungen: Der Mensch ist in erster Linie ein soziales Wesen. Ohne Gefühle ist er bereits tot!

Welchen Zweck haben Gefühle?

  •  Sie helfen uns zu überleben, und das gilt besonders für die Angst, die uns auf eine Gefahr hinweist und die ganze Energie konzentriert, damit wir uns schützen können (Flucht, Kampf, …).
  •  Sie dienen der Kommunikation, was sich allein schon in der Beobachtung des Nichtverbalen feststellen lässt, so wie der Gesichtsausdruck etwas über die Gefühlsregungen des Gesprächspartners verrät.
  •  Sie sind gute Hinweise darauf, was uns wichtig erscheint, damit wir das, was wir für bedeutsam halten, erkennen und auf unsere körperlichen Bedürfnisse (Atmen, Schlafen, Essen, Trinken) eingehen. Emotionen geben uns auch Auskunft über unsere weiteren Bedürfnisse (Sicherheit, Zuneigung, Sozialkontakte, Wertschätzung, Anerkennung, Autonomie, Sinn, Kohärenz).

Mit seinen Gefühlen umgehen können

Angenehme Emotionen suchen wir und nehmen Sie gerne an (Freude, Liebe, …), während wir weniger angenehme Emotionen lieber beherrschen oder vermeiden möchten, wie Angst, Wut oder Trauer. Trotz der Anstrengungen, diese zu unterdrücken, lassen sie nicht locker, wollen sie nicht weichen oder sich aus der Erinnerung löschen lassen. Diese Emotionen abzulehnen, zu übergehen, kann aber eine ganze Reihe negativer Auswirkungen haben (Überforderung, unterschiedliche Schmerzen, Konzentrationsmangel, Müdigkeit, unkontrollierte Gedankenströme, Angstzustände, Beziehungsprobleme, …). Wenn es uns auch unmöglich ist, die Emotionen zu „beherrschen“, können wir dennoch die Fähigkeit entwickeln, unsere eigenen Gefühle eines nach dem anderen zu unterscheiden und sie einzusetzen, um unser Handeln zu lenken. Als emotionale Intelligenz bezeichnen wir im heutigen Sprachgebrauch die Fähigkeit, Emotionen zu erkennen, mit ihnen umzugehen, sie auszudrücken und sie konstruktiv einzusetzen.

Seine Emotionen ausdrücken, ein gutes Mittel, um sie zu beherrschen

Bedingt durch unsere Kultur, unsere Erziehung und unser Geschlecht haben wir gelernt, Gefühle mehr oder weniger zu umgehen, uns davor zu hüten, sie zu verbergen oder zu verneinen. Was wir hier gelernt haben, dient natürlich nicht dem Fluss der Emotionen und führt zu einer starken Unbeholfenheit in der Art wie wir uns gegenüber anderen Menschen ausdrücken. Es ist gewiss nicht leicht, seinen Gefühlzustand anderen gegenüber passend und angemessen zum Ausdruck zu bringen, aber es ist nichtsdestotrotz wichtig, dass wir genau das lernen.

Wenn die Emotionen sich mit ganzer Energie melden, jedoch nicht zum Ausdruck gebracht werden, besteht die Gefahr, dass die Gefühle überschäumen, dass sie sich brutal, unkontrolliert, ja sogar gewaltsam in einem Wutausbruch entladen.

Bestimmte Kommunikationstechniken, wie die gewaltfreie Kommunikation, erleichtern die Konfliktlösung und ermöglichen einen Austausch, bei dem auf die Bedürfnisse aller Teilnehmer geachtet wird. Zu diesem Zweck stützt die gewaltfreie Kommunikation sich auf das Wohlwollen sich selbst und anderen gegenüber. Und da es unmöglich ist, völlig emotionslos zu bleiben bzw. die körperlichen Anzeichen von Emotionen zu verändern (zum Beispiel Erröten bei Wut), ist es immer noch möglich, sein Verhalten anzupassen („ich bin wütend auf diesen Menschen, aber ich verzichte darauf, ihn zu beschimpfen“). Ein erster Weg besteht darin, seine Aufmerksamkeit auf die Empfindungen zu lenken, die sich im Körper abspielen. Durch langsame Atmung (Ein-/Ausatmen) beruhigen wir uns und können über ein angemessenes Verhalten nachdenken. Das wird in vielen Entspannungstechniken vorgeschlagen.

Emotionen in der Jugend

Aggressivität, Impulsivität, Rückzug, Wut, Euphorie, Selbstverstümmelung, Stimmungsschwankungen, Risikoverhalten, …: Die Jugend ist oft von instabilem psychischen und emotionalen Verhalten geprägt.

Unter Wissenschaftlern herrscht heute Einigkeit darüber, dass dieses Verhalten eng mit Schwankungen der Hormone verbunden ist, die in diesem Lebensabschnitt gerade akut sind, aber auch mit der Entwicklung des Gehirns.In diesem Lebensabschnitt ist nämlich eine erhebliche Reifungsdifferenz zwischen zwei Systemen zu beobachten: dem limbischen System (zuständig für die Emotionen, Zentrum für Belohnung, Regulierung und Stimmung) und dem präfrontalen Kortex (Zentrum der Überlegung, der Planung, der Rückschlüsse, …). Es ist als ob die Verbindungen zwischen diesen beiden Gehirnzonen nicht mehr synchron wären, sodass die Urteilsfähigkeit, die Aufmerksamkeit und die Impulskontrolle eingeschränkt sind.

Aus diesem Grund sind Teenager anfälliger für psychische Gesundheitsprobleme (Angst, Depression), denn sie können noch nicht so mit ihren (überschwänglich auftretenden) Gefühlen oder Stress umgehen wie Erwachsene. Gleichzeitig neigen sie eher dazu, irgendwelche Substanzen (Drogen, Alkohol) einzunehmen, um für einen Augenblick die emotionalen Empfindungen zu unterdrücken oder abzumildern. Umso sinnvoller ist es, den jungen Menschen die Möglichkeit zu bieten, ihre Empfindungen zum Ausdruck zu bringen, ja diesen Ausdruck sogar zu fördern, damit sie von Umständen oder Ereignissen im Jugendalter Abstand nehmen können. 

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