Et toi, t’en penses quoi ?

Theorie

Hinweis: dieser Themenbereich ist gemeinsam mit den anderen Themenbereichen „Beziehungs-, Gefühls- und Sexualleben“ zu behandeln, aber auch mit dem Themenbereich „Emotionen“.

Der große hormonelle Umbruch in der Jugendzeit führt bei Teenagers zu erheblichen körperlichen und physiologischen Veränderungen. Dieses Phänomen führt ganz natürlich dazu, dass junge Menschen an Sex denken, wobei neue Gefühle und physiologische Empfindungen entstehen. Auch wirken diese Gedanken sich auf das Verhalten aus. Dieser vorbereitende Weg wird früher oder später zum ersten Austausch von sexuellen Erfahrungen führen. 

Auch wenn sexuelle Gedanken natürlich sind, können sie den jungen Menschen überraschen, wenn er eine Lust empfindet und vor seinem geistigen Auge Bilder erscheinen, mit denen er nicht umzugehen weiß. Mancher verliert dann den Boden unter den Füßen, andere empfinden Abscheu und Scham vor diesen Gedanken, andere werden hierdurch beflügelt, sich dem anderen Geschlecht anzunähern.

Verliebtheit

„Sich verlieben“ heißt, sich von einer ganz bestimmten Person stark angezogen zu fühlen. Verliebtheit ist eine ganz neue Erfahrung für den jungen Menschen. Er versteht nicht immer, was mit ihm passiert und weiß auch nicht, wie er reagieren soll. Was er dabei empfindet, beschäftigt ihn sehr stark in seinen Gedanken und seinen Handlungen und kommt auf unterschiedliche Weise zum Ausdruck: Herzklopfen, ein Zusammenschnüren der Kehle, feuchte Hände, Appetitlosigkeit. Auch das ist neu für den Heranwachsenden, der Zeit braucht, um zu verstehen, was da mit ihm passiert, und lernen muss, mit diesen neuen Empfindungen umzugehen.

Jungen und Mädchen erleben die Verliebtheit und selbst die Sexualität jedoch völlig anders. Die Gedanken bei Mädchen sind reifer (es geht um Beziehungen und Gefühlsleben), während Jungen eher an Sex denken, auch wenn sie alle beide „verliebt“ sind. In seinen Partner/seine Partnerin verliebt zu sein, weckt auch die Lust und wird im Allgemeinen dazu führen, dass sexuelle Gedanken konkrete Formen annehmen können, auch wenn das nicht der einzig mögliche Verlauf ist. 

Sexualität und Emotionen

Bestimmte Fragen stellen sich von Generation zu Generation: Muss man verliebt sein um sich zu lieben? Was heißt „bereit sein“? Wann darf man Sex haben? Auf diese Fragen gibt es keine einfache Antwort. Die sexuelle Erfahrung ist für jeden anders. Nachdenken sollte man schon darüber, indem man sich folgende Fragen stellt: Möchte ich das wirklich? Fühle ich mich frei, den Geschlechtsverkehr zu vollziehen? Wähle ich den Partner, mit dem ich eine sexuelle Beziehung eingehen möchte, wirklich frei? Ist meine Partnerin/mein Partner bereit? Viele Ängste können sich einstellen: Angst vor einer ungewollten Schwangerschaft, Angst vor den sexuell übertragbaren Krankheiten, Angst darüber zu reden, Angst vor Schmerzen, …

Mädchen und Jungen empfinden im Allgemeinen anders. Gewöhnlich wird behauptet, die Mädchen seien mehr auf Gefühle ausgerichtet, vor allem, wenn sie ihre ersten Erfahrungen sammeln. Jungen haben aber andere Ängste: Angst, es nicht zu schaffen, Angst vor dem vorzeitigen Erguss, Angst zu versagen, Angst den Partner/die Partnerin zu verletzen.

Der Märchenprinz und die Prinzessin

Seit jeher gibt es das Bild des „idealen“ Partners, das von Anschauungen, von den Medien verbreitet wird. Ob es sich um eine dauerhafte Beziehungen, einen One-Night-Stand, einen Sexfriend oder ein Urlaubsabenteuer handelt, wichtig ist die freie Zustimmung im Augenblick selbst. Die Selbstachtung und die Achtung der Grenzen beider Partner bleiben auch von wesentlicher Bedeutung. Wer auf das Drängen des anderen eingeht, ohne wirklich bereit zu sein oder zuzustimmen und ohne zu überlegen, bereut womöglich später sein Handeln, wodurch das Erlebnis traumatisch werden kann. Gleichzeitig geht er Risiken ein (Schwangerschaft, sexuell übertragbare Krankheiten). Wenn es um Sexualität geht, ist Vertrauen ein entscheidender Faktor.

Die Eifersucht

Eifersucht ist ein Gefühl, und wie jedes Gefühl signalisiert sie uns ein Bedürfnis (Sicherheit, Beruhigung, …). Sie sagt auch etwas über die Angst vor dem Rivalen oder das Bedürfnis aus, von einem Menschen Besitz zu ergreifen, aus Furcht, diesen zu verlieren. Auch wenn dieses Gefühl nicht auf das Jugendalter beschränkt ist (denken wir nur an die Schwester, die eifersüchtig auf ihren kleinen Bruder ist), so erhält sie dennoch bei den ersten romantischen Beziehungen eine ganz neue Dimension. Die Emotionen verstärken sich in diesem Lebensabschnitt unter dem Eindruck der Hormone. Der junge Mensch ist manchmal selbst erstaunt darüber, wie stark ihn dieses Gefühl gegenüber seinem Partner überrollt. Aber auch wenn die Eifersucht sich einstellt, sollte der junge Mensch sich nicht von ihr hinreißen lassen. Er muss nach und nach lernen, mit ihr umzugehen, Vertrauen in sich selbst und den anderen zu entwickeln. In dieser Phase sollte ein Austausch zwischen den Partnern über die Freiheit, das Vertrauen, die Regeln, die das Paar festgelegt hat…

Sexbilder, Fantasien und Pornografie

Der sexuelle Trieb ist oft gepaart mit Fantasien. Das ist normal. Es handelt sich um ein Gedankenspiel, das die sexuelle Erregung auslöst. Unsere sexuelle Gedanken werden weitgehend von Vorstellungen geprägt, die wir aus einem unterschiedlichen Erbe übernommen haben: Erziehung in der Familie, Elternmodell, Schulbildung, Attraktivitätskode, erste sexuelle Erfahrungen, Medien … Die „Fantasien“ werden vor allem in Pornofilmen dargestellt. Pornografische Darstellungen erzeugen aber falsche Vorstellungen bei Teenagern. Aus Gründen der Ästhetik und der Attraktivität eines Szenarios sind die von diesen Darstellungen ausgehenden Botschaften irreführend, ja sogar wahrheitsverdrehend. Die dort gezeigten Körper sind perfekt und die Sexualpraktiken verzerren die Realität. Die sexuelle Potenz wird übertrieben dargestellt, mit leistungsfähigen und verführerischen Männern. Die Frau spielt häufig die Rolle „des Vergnügungsobjekts“ für den Mann, und ihre Lust wird spontan geweckt. Die Pornografie wird zum Problem, wenn sie die einzige Art ist, etwas über Sexualität zu erfahren.

Versuchen wir den jungen Menschen dazu zu bringen, über den Wahrheitsgehalt dieser Darstellungen und die „imaginäre“ Seite dieser sexuellen Gedanken nachzudenken, damit sie sich der Grenzen und der Bedürfnisse des Einzelnen bewusst werden. Das Verhältnis zum Körper ist auch wichtig. Völlig losgelöst von den nachbearbeiteten Bildern, die über die Medien verbreitet werden, sollte sich jeder wohl und zufrieden fühlen mit seinem Aussehen. Dazu gehört auch, sich selbst kennenzulernen und sich anzunehmen, wie man ist.

Sexuelle Ausrichtung, Homosexualität und sexuelle Bilder

Auf der Suche nach seiner sexuellen Identität und von seinen Hormonen angetrieben sucht/testet der Teenager seine noch verschwommene sexuelle Ausrichtung. In dieser Zeit kann sich vorübergehend Homosexualität zeigen, oder aber die endgültige Ausrichtung des Jugendlichen. Zu den sexuellen Gedanken und Fantasien, die im Jugendalter auftreten, können homosexuelle Beziehungen treten. Diese Tatsache verwirrt die Jugendlichen, die sich fragen, ob sie „normal“ sind. Es ist jedoch völlig natürlich, dass einem die verschiedensten Bilder durch den Kopf gehen. Diese sagen aber nichts über die sexuelle Ausrichtung aus.

In einem viel weitläufigeren Rahmen trägt diese Offenheit des jungen Menschen für die Andersartigkeit dazu bei, dass er sich besser in seiner Haut fühlt, wenn er tatsächlich seine Homosexualität entdecken sollte. Absolut niemand sucht sich die Homosexualität aus. Sie drängt sich auf, selbst wenn er sie nicht akzeptiert. Die Vorstellungen von Jugendlichen verändern und sie für den Unterschied zu öffnen ist von zentraler Bedeutung für das Selbstwertgefühl und den kritischen Verstand. Das gilt aber generell für das „Anderssein“: Behinderung, Krankheit, auch unterschiedliche philosophische oder religiöse Anschauungen, körperliche, ethnische Unterschiede, …

Suche nach Informationen über die Sexualität: sich von Schuldgefühlen befreien und die Quellen variieren

Es ist ganz normal, dass der junge Mensch mehr über die Sexualität erfahren möchte, über alles, was sich in seinem Körper und seinem Geist abspielt. Der Jugendliche müsste über altersgemäße Informationen frei verfügen können. Er ist selbst für sein Sexualleben verantwortlich, muss sich demnach auch selbst informieren.

In der heutigen Zeit stehen digitale Informationen zur Verfügung, sie werden als Fotos, Videos oder Foren verbreitet und sind leicht zu finden. Auch wenn der Austausch zwischen den jungen Menschen ihre erste Informationsquelle bleibt, ist es wichtig, sie zu ermutigen, unterschiedliche Informationsquellen zur sexuellen Aufklärung zu nutzen (Internet, Arzt, Eltern, Freunde, Zeitschriften, …).




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