Et toi, t’en penses quoi ?

Theorie

Hinweis: Diese Thematik kann zur gleichen Zeit wie die anderen Thematiken aufgegriffen werden, u.a. auch mit der Thematik „Die Medien entschlüsseln“.

Sexuelles Erwachen

„Wie muss man sich beim ersten Mal verhalten?“, „muss unbedingt Liebe im Spiel sein?“, „ist es normal, was ich dabei fühle?“, „tut es beim ersten Mal weh?“, „wie lange muss es dauern?“, „wie verhüte ich zuverlässig?“, „was ist das Vorspiel?“,… Junge Menschen stellen sich unzählige Fragen zu ihren neuen Beziehungen, ihren Erfahrungen, ihrer Lust. Sie werden mit ihrer Fantasie und den Ängsten konfrontiert, die sich einstellen, weil das Thema ihnen noch nicht ausreichend bekannt und noch relativ tabu ist. 

Das liegt daran, dass Jugendliche sich noch in der Identitätsbildung befinden, auch hinsichtlich ihrer Sexualität. Sie sind wirklich auf der Suche nach Orientierung und Vorbildern. Einige feste Verankerungen bestehen bereits seit der Kindheit, andere befinden sich noch im Aufbau oder werden erst im Teenageralter ausgelöst. In den Köpfen bilden sich Antworten, die zahlreichen Einflüssen unterliegen, von denen einige stärker als andere sind: 

  •  Gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Einflüsse,
  •  Einfluss der Eltern und der Familie,
  •  Einfluss Gleichaltriger,
  •  Einfluss der Medien.

Idealerweise sollten diese Quellen zahlreich sein, damit sie unterschiedlicher Natur sind und gegeneinander aufgewogen werden können. Dieser Vorgang fördert bei jungen Menschen den kritischen Blick auf die Sexualität, lenkt ihre sexuelle Neugier und bietet ihnen die Möglichkeit, eigene Entscheidungen zu treffen.

1.      Gesellschaft, Kultur und Religion

Ein erster Einfluss kommt aus der Umgebung, in der die jungen Menschen aufwachsen. Als Teenager nimmt man das nicht immer wahr, denn man wird ja in dieses Umfeld hineingeboren: die Kultur, in der ein Mensch aufwächst, bildet die  „Norm“ für alle, die zum gleichen Kulturkreis gehören. Der Einfluss der Zeit, der Gesellschaft, der Kultur und der Religion, der ein Jugendlicher angehört, ist sehr stark. Dabei geht es um die Art des Handelns und Denkens, um Verbote und Gebote, die auf diese Weise vermittelt werden. Häufig werden junge Menschen sich der Gewohnheiten und Sitten ihrer eigenen Kultur oder Religion erst bewusst, wenn diese auf andere treffen (zum Beispiel das Verhältnis zum Körper, zur Verhütung, das Verhalten in der Öffentlichkeit, die Art, seine Zugehörigkeit zu einer Religion nach außen zu tragen, die Geschlechterrolle, die Frage der Jungfräulichkeit (lesen Sie hierzu „Körper und Sexualität“). Dieses Aufeinandertreffen kann zu einer Öffnung gegenüber anderen Lebens- und Denkweisen führen, auch auf dem Gebiet der Liebesbeziehungen und der Sexualität.

2.      Eltern und Familie

Eine zweite wichtige Einflussquelle geht vom engsten Umfeld, der häuslichen Umgebung, der Familie aus. Je nachdem, wie dieses Umfeld aussieht, wird mehr oder weniger über das Thema Sexualität geredet. Aber ob mehr oder weniger oder überhaupt nicht: der über die Jahre geführte Austausch (oder das gesammelte Schweigen) tragen zur sexuellen Erziehung des Jugendlichen bei. Nicht nur Worte allein, sondern auch das Verhalten der Eltern vermitteln dem jungen Menschen Werte und Vorbilder für alle Aspekte der Liebesbeziehungen und der Sexualität. Bis zur Pubertät sind die Eltern die ersten Vorbilder für die Kinder (mit dem Eintritt in die Pubertät ändert sich das Verhältnis zu den Eltern: lesen Sie hierzu den Beitrag „Beziehungsleben“). Wenn das Thema problemlos und offen angesprochen werden kann, wird der Teenager auch leichter die Werte und Leitlinien ausmachen können: wie verhalte ich mich respektvoll, wie verhüte ich, wen kann ich fragen, usw.? Wenn Sexualität jedoch zu Hause tabu ist, kommt der Jugendliche nicht in den Genuss dieses guten Einflusses. Dann wird das Thema erst bei Problemen (unerwünschte Schwangerschaft, sexueller Missbrauch, …) plötzlich (und darüber hinaus unter komplizierten Voraussetzungen) zur Sprache kommen. Abgesehen von den Eltern, und in noch stärkerem Maße wenn der Dialog mit den Eltern nicht möglich ist, kann der Jugendliche sich in Sexualfragen anderen Bezugspersonen anvertrauen: älteren Geschwistern, die diese Erfahrung teilen, seinem Paten, einer Tante z.B.

3.      Gleichaltrige

Das Umfeld übt einen enormen Einfluss auf Teenager aus (lesen Sie hierzu den Beitrag „Beziehungsleben“). Das gilt vor allem für den Freundeskreis, auch in Bezug auf die Sexualität. Wenn der Freundeskreis die gleichen Werte teilt, besteht die Möglichkeit des respektvollen Austauschs. Das stärkt den Jugendlichen. Dieses sogenannte assertive Verhalten hat einen Schneeballeffekt, denn es stärkt das Selbstvertrauen des jungen Menschen und macht ihn selbstsicherer. Selbstvertrauen ist aber in Fragen der Liebe und der geschlechtlichen Beziehungen wichtig. Im Teenageralter wird unter Gleichaltrigen häufig über Sex geredet. Von daher ist es wichtig, sich Freunde auszusuchen, die die gleichen Werte teilen.

Leider verleugnen manche Jugendliche ihre Werte, um zur Gruppe zu gehören, indem sie beispielsweise Verhaltensweisen übernehmen, die sich nicht billigen, indem sie Risiken eingehen oder es nicht wagen, nein zu sagen. Sie überschreiten ihre Grenzen und tun Dinge, die sie allein nicht wagen würden. Die Stärke der Gruppe spielt hier eine wichtige Rolle, positiv wie negativ. Teenager sollten sich eigentlich zunächst fragen, ob der Freundeskreis wirklich zu ihnen passt, ob sie ihre Meinung frei äußern können, ob die Werte der Gruppe auch ihre eigenen Werte sind.

4.      Die Medien

Aber nicht nur Kultur, Familie und Gleichalterige beeinflussen das sexuelle Verhalten der Jugendlichen, sondern in erheblichem Maße auch die Medien. Diesem Einfluss kann sich niemand entziehen: der öffentliche Raum, das Fernsehen, Magazine, Internet usw. Sie überfluten uns, sogar dann wenn wir sie überhaupt nicht in Anspruch nehmen. Das Diktat der Mode, die von den TV-Serien oder dem Internet verbreiteten Stereotypen, der Zugang zu allen möglichen Websites, die Allgegenwart von Porno, die Vielzahl der Bildschirme, die schon in Kinderzimmern stehen… sind nur einige Beispiele. Wenn junge Menschen sich diesem Einfluss schon nicht entziehen können, besteht die Herausforderung darin, sich einen kritischen Blick auf die Flut an Botschaften zuzulegen, die über sie hereinbricht. Mit anderen Worten: junge Menschen müssen sich bewusst werden, dass die Medien versuchen, ihre Entscheidungen, ihr Handeln, ihre Wertvorstellungen zu beeinflussen, und sie müssen lernen, diese Botschaften zu entschlüsseln: TV-Serien stellen Liebesbeziehungen zwischen Menschen rosig dar, die in der Werbung gezeigten Körper sind immer perfekt gestylt, die Rollen sind immer genderspezifisch und es besteht wenig Raum für das Anderssein, um nur einige wenige Beispiele zu nennen (lesen Sie hierzu den Beitrag „Die Medien entschlüssel“).

Fallbeispiel Pornografie:

Studien belegen, dass 84% der minderjährigen Jugendlichen bereits mit pornografischen Inhalten konfrontiert wurden*. Neugier, Sexualtrieb, Fantasien und Suche nach Vergnügen wecken beim Jugendlichen den Drang, nach solchen Inhalten zu suchen. Pornografische Darstellungen wecken aber falsche Vorstellungen bei jungen Menschen, denn Porno ist ein kommerzielles Produkt, das Verbraucher anziehen soll. Dabei geht es um Erregung, nicht um Erziehung. Aus Gründen der Ästhetik oder der Attraktivität eines Drehbuchs werden täuschende, ja sogar unwahre Botschaften vermittelt. Pornografie kann zum Problem werden, wenn es der einzige Weg zur Sexualität ist. Pornografische Darstellungen können auch schnell Ängste, Fragen und Komplexe auslösen.

*Quelle: Revue Éducation Santé n°233 – April 2008 – „Les jeunes et le porno“, HERBIGNIAUX F.

Tendenziell fördert „Sex in den Medien“

  •  Komplexe bei Jugendlichen, denn nichts ist in der Wirklichkeit so wie es die Medien darstellen. Die Körperattribute werden besonders vorteilhaft dargestellt: pralle Brüste, Größe des Penis weit über dem Durchschnitt, maßlose Übertreibung der Dauer des Geschlechtsverkehrs, Praktiken, die nichts als Fantastereien sind, …;
  •  Stereotypen zu der Rollenverteilung zwischen Jungen und Mädchen: Männer sind stark und viril, Frauen sexy und übertrieben feminin...
  •  Die Schaffung von Normen hinsichtlich der Geschlechtsidentität: der Mann muss begehrlich sein, die Frau begehrenswert. Männer entscheiden, Frauen fügen sich ohne ihre Meinung zu äußern, …
  •  Die Banalisierung bestimmter Formen von verbaler, psychischer, physischer und sogar sexueller Gewalt. Kaum ein Drehbuch enthält keine Gewaltszene, vom einfachen Klaps auf den Po bis zur gespielten Vergewaltigung. Bekanntlich wecken aber gewalttätige Szenen wegen ihrer Aggressivität die meiste Aufmerksamkeit.

Die Pornografie beeinflusst das sexuelle Verhalten junger Menschen eindeutig (neue Praktiken, Redensarten, …). Sie sollte also gegenüber Jugendlichen thematisiert werden, zumindest sollten wir für die Fragen der jungen Menschen offenstehen. Das Schlimmste wäre, die jungen Menschen mit ihren Fragen und Ängsten allein zu lassen. Es sei nochmals darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, den kritischen Geist bei Jugendlichen zu stärken.

5.      Bildung einer persönlichen Meinung

Von Kindheit an gibt es beim Menschen eine Art Kopfkino. Das sind die Träume des kleinen Mädchens oder Jungen, in denen es um den Märchenprinzen geht, die Zeichentrickfilme, in denen es um Liebe geht, vermischt mit der kindlichen Wahrnehmung der Erwachsenenwelt. Diese unterschiedlichen Einflüsse werden wegfallen, deren Zusammenwirken aber wird dazu beitragen, dass der Jugendliche eine mehr oder weniger genaue Vorstellung davon hat, was für ihn Liebe und Sexualität bedeutet. Daraus entstehen sexuelle Ausrichtung, Erwartungen, Wertvorstellungen, mehr oder weniger klare Leitlinien, die sich sicher mit der Zeit und mit zunehmender Erfahrung weiterentwickeln werden. Sie werden unvermeidlich auf eine Realität stoßen, die möglicherweise überhaupt nicht den Vorstellungen des jungen Menschen entspricht. Damit die Kluft zwischen Traum und Wirklichkeit nicht zu tief ist, und damit der Jugendliche sich weniger hilflos fühlt, muss er unbedingt ermutigt werden, sich über Fragen der Sexualität und der Verhütung zu informieren. Dabei sollten ihm sichere und gute Informationsquellen gezeigt werden, insbesondere sollte er ermuntert werden, sich Fachleuten anzuvertrauen: Hausarzt, Schulkrankenschwester, Familien-, Jugendberater, Apotheker, … Stets sollte aber darauf geachtet werden, keine Schuldgefühle zu erzeugen und das Interesse für dieses Thema zu wecken.

Je besser junge Menschen aufgeklärt sind, desto eher lernen sie, richtig mit ihrer Sexualität und mit ihren Liebesbeziehungen im breiteren Sinn verantwortungsbewusst umzugehen. 

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